Das Missverständnis mit der Motivation

Nachfolgend ein paar spontane Gedanken, die mir gerade durch den Kopf schießen, als ich mich an Fragen und Diskussionsbeiträge nach einem Vortrag izum Thema »Selbstmotivation: Lernen kann fantastisch sein« erinnerte. Die Erwartungen an einen »Motivationsexperten« sind doch fast immer die, dass man endlich erfahren möchte, was man tun kann, um Motivation zu erzeugen oder zu verstärken (bei sich oder bei anderen). Und am liebsten hätte man gerne so drei, vier handfeste Tricks mit Wirkungsgarantie. Diese Erwartung muss ich dann allerdings immer wieder enttäuschen. 

Aber die weitaus meisten Teilnehmer einer solchen Veranstaltung sind dann doch bereit, den etwas mühevolleren Weg einer Entdeckungsreise mit zu gehen und das anschließende Feedback zeigt, dass vielen klar wird, was sie intuitiv längst wussten und oft auch in einigen Bereichen ihres Lebens praktizierten. Das wird dann aber durch ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge auf andere Bereiche auch übertragbar und vor allem,  es wird dem bewussten Zugriff erschlossen. Also eine Menge Aha-Erlebnisse. 

Und doch ist die Sehnsucht groß, mit diesem erweiterten Wissen dann schließlich doch wieder auch mehr bewirken zu wollen. Es ist Zeit, sich von dieser Sehnsucht zu befreien. Und es ist in der Tat ein befreiendes Gefühl, wenn einem das gelingt. Daher die anschließenden Gedankensplitter: Motivation wird immer noch vielfach missverstanden als etwas, dass man bewirken kann. Ja, ok, das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche funktioniert. Doch spätestens seit R. Sprengers Buch »Mythos Motivation«, das Anfang der neunziger Jahre erschien, wissen wir, dass die fünf großen »B`s« des Motivierens: »Belobigen, Belohnen, Bestechen, Bedrohen und Bestrafen« allenfalls Kurzzeiteffekte haben, schlussendlich aber in eine totale Demotivation münden. 

Motivation ist etwas, dass aus dem Inneren eines Menschen kommt und nicht von außen. Es ist die von Innen kommende Bewegungsenergie, die etwas bewirkten will. Kein Bauer käme auf die Idee, an seinen Pflanzen herumzuzerren, damit sie schneller wachsen. Er wird allerdings darauf achten, dass der Boden genügend Nährstoffe hat und – falls der Regen nicht ausreichend Wasser spendet, dass entsprechend gegossen oder gesprengt wird. Jeder Vergleich hinkt, der Mensch ist komplexer. Aber es geht hier um die Grundhaltung. Und es geht um Bewusstsein und das beruht auf Wissen. 

Die Bemühungen, jemand anderen zu motivieren, können genau die Selbstentfaltungskräfte hemmen oder blockieren, die den Betreffenden selbst möglicherweise antreiben könnten. Es geht um das ideenreiche Gestalten von Rahmenbedingungen, um Kontext, um Stimulation und Herausforderungen, Anregungen, Ermunterung und Ermutigung, um ein Verständnis von den Plateauphasen beim Lernen, bei denen man keine sichtbaren Fortschritte macht, die aber so notwendig sind für das Herstellen der Verbindungen, der Vernetzungen im Gehirn und im Nervensystem des ganzen Körpers und des tieferen Begreifens und Verstehens von Zusammenhängen. 

Es geht um das geduldige Herstellen einer positiven Hinwendung zur Notwendigkeit des Übens, die nur gelingt, wenn Freude an den kleinen und kleinsten Fortschritten gespürt, verstärkt und immer wieder erinnert und gefeiert wird. Geist und Körper sind eine Einheit und es sind die starken sinnlichen Empfindungen des Glücklichseins, die uns inspirieren und uns lebendig fühlen lassen. Es geht um Präsenz und freudvolles Genießen des momentanen Glücks des Gelingens genauso wie um Frustrationstoleranz und Gratifikationsaufschub, also das Klarkommen mit Enttäuschungen und das Aushalten einer längeren Wegstrecke ohne direkte Belohnungsmomente und Anreize. 

Ein tieferes Verständnis des von Csikszentmihalyi beschriebenen Zustandekommens von Glückserfahrungen, von Flow, ermöglicht genau dieses. Wenn man weiß, wie das starke gute Gefühl, wie die optimalen Momente des Lebens zustande kommen, und wenn man durch eigene Erfahrung merkt, dass man sie bewusst herbeiführen kann, gelingt das Entwickeln von Konzentration und Ausdauer schon viel leichter. Und das, was weder durch Druck von außen noch durch Belohnungen erreicht werden kann, nämlich die nachhaltige Vertiefung in ein Thema oder eine Beschäftigung oder eine motorische Aktivität im Streben nach Vervollkommnung und Meisterschaft, gelingt mit zunehmender Freude, sobald der Antrieb von Innen kommt. 

Englisch, da knackiger, eine alte griechischen Mahnung: »Don`t push the river, it flows by itself « hat uns Heraklit zugerufen. Mehr zum Thema Motivation können Sie  in dem Booklet »Flow –Das Geheimnis des Glücks« lesen, das Sie im Menüpunkt »Was ist Flow« gratis herunterladen können,